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Eisenfaust
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30.01.2012
Beiträge: 160
Catherine Oxenberg Interview

Dieses Interview erschien im SPIEGEL Nr.33/86.


Diese Herren sind irrational

SPIEGEL-Interview mit der entlassenen "Denver"-Schauspielerin Catherine Oxenberg In 52 Folgen der TV-Serie "Denver-Clan" spielte Catherine Oxenberg, 24, Amanda, die Tochter der Alexis. Nach Vertragskonflikten kündigten ihr die Produzenten. *

SPIEGEL: Star an einem Tag, arbeitslos am nächsten, wie fühlt man sich als gefeuerte Hollywood-Schöne?

OXENBERG: Ich kann jetzt endlich tun, was ich immer wollte: Ich nehme Schauspielunterricht, und zwar intensiv.

SPIEGEL: Eben das haben Ihnen die Kritiker vorgeworfen, Mangel an schauspielerischem Können.

OXENBERG: Nicht die Kritiker, die Produzenten wollten mich nicht mehr. Die suchten eine Schuldige für die geringen Einschaltquoten, schon war's um mich geschehen. Aber das war nur einer der Gründe: Die haben sich sogar daran gestört, daß über mich soviel geschrieben wurde.

SPIEGEL: Eigentlich freut doch so etwas die Geldgeber: Ein Star, der Schlagzeilen macht, weckt die Neugierde.

OXENBERG: Diese Herren sind eben irrational, ganz eigenartig.

SPIEGEL: Die Produzenten behaupten, nicht sie hätten Ihre Entlassung gefordert, sondern die Fernsehgesellschaft ABC, über deren Kanäle "Denver" läuft.

OXENBERG: Quatsch. ABC wollte mich. Aber in diesem Geschäft will keiner Verantwortung übernehmen. Da schiebt man alles auf den anderen. Und wer bin ich schon in dieser Kette? Eine Schauspielerin. Gefühle, Empfindlichkeiten, wer nimmt darauf Rücksicht in dieser Stadt? Dies ist Hollywood. Take it or leave it. Ich werde mich durchbeißen.

SPIEGEL: Sie hätten zuviel Geld gewollt, behaupten Ihre ehemaligen Arbeitgeber, obgleich Sie manchmal nicht mehr Text zu lernen hatten als "Mama."

OXENBERG: Ich habe mehr Geld gefordert, jawohl. Wissen Sie, was einem passiert, wenn man zu lange in einer solchen Serie spielt? Man wird zu einem Stereotyp. Einmal Amanda, immer Amanda. Dieses Risiko sollten sie bezahlen.

SPIEGEL: Bei mehr Bescheidenheit hätten Sie immer noch schöne Gagen kassiert, pro Sendung ist von 25000 Mark die Rede.

OXENBERG: In Hollywood werden Bedeutung und Ansehen daran gemessen, wieviel man verdient. Mir hat man viel weniger bezahlt als den meisten anderen. Wenn ich mit Kollegen über die Höhe meiner Gage sprach, haben die mich ausgelacht.

SPIEGEL: Sie haben keine Hauptrolle gespielt.

OXENBERG: So arrogant, so anmaßend bin ich nun wirklich nicht, das zu fordern. Aber ich konnte wirklich nicht beweisen, wieviel ich als Schauspielerin wert bin. Irgendeinen Ausgleich mußte ich dafür haben. Das waren eben Dollar.

SPIEGEL: Und wie verschwindet Amanda nun aus dem Drehbuch?

OXENBERG: Das interessiert mich nicht, sie werden mich durch eine andere Amanda ersetzen. Irgendwie fummeln die das hin. Das Drehbuch haben wir ohnehin immer nur kurz vor den Aufnahmen erhalten.

SPIEGEL: Joan Collins oder Linda Evans, haben die Sie vielleicht verdrängen lassen, nach der Überlegung: Weg mit der Konkurrenz, die jünger und schöner ist?

OXENBERG: Nein, im Vergleich zu denen bin ich doch zweitrangig. Linda hat mich sogar angerufen und mir gesagt, daß sie mich vermißt.

SPIEGEL: Sie sind mit beinahe jedem Prinzen im heiratsfähigen Alter in Verbindung gebracht worden, mit Englands Andrew und Monacos Albert ...

OXENBERG: ... nichts davon stimmt.

SPIEGEL: ... nicht allein, weil Sie ein TV-Serienstar, sondern eine Enkelin des ehemaligen Prinzregenten Paul von Jugoslawien sind - eine standesgemäße Schönheit?

OXENBERG: Das Gerede entspringt den idiotischen Phantasien irgendwelcher Leute.

SPIEGEL: Ihre adelige Abstammung müßte in Hollywood doch eigentlich ankommen.

OXENBERG: Zunächst sind die Leute neugierig. Aber am Ende muß ich mehr leisten als andere, weil immer wieder verbreitet wird: Die hat den Job doch nur bekommen, weil sie eine Verwandte der Königin von England ist.

SPIEGEL: Die Oxenberg kann nicht spielen, diese Behauptung werden die Klatschkolumnisten jetzt sicherlich verbreiten.

OXENBERG: Das hätten sie auch getan, wenn ich noch ein Jahr bei "Denver" unterschrieben hätte.

SPIEGEL: Hollywood hat ja auch Marilyn Monroe zu einem Star werden lassen, obgleich man ihre schauspielerischen Talente zunächst weit unterschätzt hatte. Tröstet Sie das?

OXENBERG: Der Vergleich ehrt mich. Allerdings müßte ich mir umgehend andere Rundungen zulegen.

SPIEGEL: Werden Sie sich "Denver" weiterhin im Fernsehen anschauen, oder ist Ihnen die Lust vergangen?

OXENBERG: Ich habe unsere Serie verfolgt, sozusagen als Hausaufgabe. Jetzt muß ich das wohl nicht mehr.

SPIEGEL: Hat die Serie überhaupt noch eine Zukunft?

OXENBERG: Die Antwort darauf möchte ich mir lieber ersparen.

DER SPIEGEL 33/1986
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27.05.15 20:45
stevie
Board Member

dabei seit:
24.03.2012
Beiträge: 168

Wirklich interessant, sogar vom seriösen SPIEGEL!
Vielen Dank fürs posten

31.05.15 12:11
ChrisCarrington
Board Member

dabei seit:
22.02.2009
Beiträge: 197

Macht echt Sapß, dass zu lesen.
Danke für's reinstellen!


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Das ist mein Haus, Du bist wahnsinnig!
09.06.15 19:50